Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit

Arbeiten Deutsche und Amerikaner bei Projekten oder in internationalen Teams zusammen, so kann ich immer wieder den folgenden Grundkonflikt beobachten: Die Deutschen drängen darauf, zunächst einmal die Situation gründlich zu analysieren, um Fehler zu vermeiden und den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Amerikaner möchten hingegen möglichst schnell handeln und Ergebnisse schaffen, auf denen sie aufbauen können. Die ersten Ergebnisse müssen nicht ausgereift sein, sondern können später optimiert oder korrigiert werden. Aus deutscher Sicht wirkt das unlogisch, denn man muss etwas “wieder zurücknehmen”, was man gerade aufgebaut hat. Aus Amerikanischer Sicht wirkt das deutsche Vorgehen umständlich und praxisfern, denn man lernt nach Amerikanischer Sicht am besten durch Ausprobieren, welcher Weg gut geeignet ist.

Die deutsche Haltung ist getragen von dem Willen, Fehler aus der Vergangenheit zu beseitigen. Hierzu gilt es einen Konsens über das weitere Vorgehen zu schaffen, der tragfähig ist für die weitere Zusammenarbeit. Der eingeschlagene Weg soll möglichst so beschritten werden, dass Fehler künftig unterbleiben. Die vorherige Analyse soll so so gründlich sein, dass der gewählte Weg als “richtig”, vielleicht sogar als “alternativlos” erachtet wird. Damit ist in Deutschland der Wille, einen vorherigen Weg zu verlassen, eher gering ausgeprägt. Protagonisten, die nachträgliche Änderungen wünschen, stören das erreichte Konsensgefühl.

Ganz anders ist das amerikanische Vorgehen. Hier geht es darum, möglichst schnell zu Handeln, erste Ergebnisse und Tatsachen zu schaffen, die die Führungskräfte und Mitarbeiter bei Bedarf nachbessern können. Projektarbeit ist im Vergleich zu Deutschland also eher ein Vortasten mit ständigem Optimierungsbedarf. Schaut man mit der deutschen Brille auf den amerikanischen Ansatz, so entsteht die Frage: “Warum ständig nachbessern? Mit etwas mehr Vorbereitung kann man sich den Aufwand für Nachbesserungen doch sparen!”

Hinter der deutschen Haltung steckt die Überzeugung, dass sich eine gründliche Vorbereitung zu anschließender Fehlervermeidung und zu einer nahezu idealen Vorgehensweise führt. Aus deutscher Sicht hat es also einen Wert, viel Energie in Analyse und Vorbereitung zu stecken. Für Amerikaner gilt eine quasi umgekehrte Überzeugung: Wenn ich zügig erste Ergebnisse schaffe, kann ich auf diesem aufbauen, selbst wenn diese Teilschritte noch nicht ganz ausgereift sind. Damit kann ich schneller am Markt sein. Ich habe  einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern und ermögliche es mir, über das Prinzip “Trial and Error” ständig hinzuzulernen. Die amerikanische Arbeitshaltung ist damit spielerischer und auch sportlicher als die deutsche. Verkürzt könnte man sagen: Im deutschen Arbeitsleben ist es peinlich hinzufallen, deswegen überlegt man sich genau, wohin man läuft. Im amerikanischen Arbeitsleben rechnet man damit, ab und zu sowieso hinzufallen. Deshalb steht man schnell wieder auf. Aber es ist wichtig, schon einmal loszulaufen, um als erster im Ziel zu sein.

Fortsetzung folgt…

Woher kommen diese unterschiedlichen Prägungen?
Was können Deutsche und Amerikaner tun, um gut zusammenzuarbeiten?

 

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