Geschäftsessen in China

Wie soll ich mich verhalten? Muss ich Hühnerfüße essen?

Ein Essen mit Geschäftspartnern hat in China einen hohen Stellenwert und dient der Beziehungspflege. Als deutscher Besucher werden Sie bestimmt von Ihrem chinesischen Geschäftspartner zum Essen eingeladen. Dabei ist vieles ungewohnt: Der Umgang mit Stäbchen, unbekannte Gerichte, andere Tischsitten. Es ist von Vorteil, wenn Sie einige chinesische Grundregeln zur Etikette im Restaurant kennen.

Ein Abendessen schließt sich meist sofort an einen Geschäftstermin an und beginnt häufig bereits zwischen 17.30 und 18.30 Uhr, also früher als in Deutschland. Wenn Sie geschäftlich ins Restaurant eingeladen werden, führt man Sie normalerweise in einen separaten Speiseraum. Dort findet sich ein runder Tisch mit einer drehbaren Glasplatte, auf der die Gerichte serviert werden, so dass alle Tischgäste reihum die verschiedenen Speisen erreichen können.

Die Sitzordnung: Wichtige Botschaften

Bei der Ankunft im Speiseraum gilt es, eine Sitzordnung zu beachten. Der höchstrangige Verteter der Gastgeberseite hat die Tischposition gegenüber der Eingangstür und damit den besten Überblick. Dieser Sitzplatz ist in vielen Restaurants durch eine höhere Serviette gekennzeichnet. Aus Großzügigkeit wird man Ihnen genau diesen Platz anbieten. Dieses Angebot sollten Sie aber höflich ausschlagen und stattdessen den Platz links neben der Gastgeberposition einnehmen. Wenn Sie in Begleitung einer Dolmetscherin/eines Dolmetschers sind, so sitzt diese/r wiederum links von Ihnen. Rechts vom Hauptgastgeber oder ihm gegenüber sitzten die in der Hierarchie nachfolgenden Vertreter der Gastgeberseite.

Bei wiederkehrenden Restaurantbesuchen mit eher informellem Charakter weichen diese Etiketteregeln auf und werden weniger beachtet. Höherrangige Vertreter der Gastgeberseite lassen sich bei solchen Routineterminen meist vertreten.

Hühnerfüße und andere Leckerbissen

Die chinesische Küche ist sehr abwechslungsreich und je nach Region unterschiedlich stark gewürzt. Ähnlich wie in Frankreich und Italien hat sich in den vergangenen Jahrhunderten an den Höfen der Regierenden eine raffinierte Hochküche herausgebildet, deren Traditionen in der Gastronomie bis heute fortdauern. Den größten Kontrast zu europäischen Geschmacksgewohnheiten bilden wahrscheinlich die mit Pfeffer und Chili sehr scharf gewürzten Speisen in der Provinz Sichuan und im angrenzenden Chongqing. Dort gibt es auch den traditionellen Feuertopf (englisch: hot pot), bei dem die Speisen zum Garen in scharf gewürztes Öl getaucht werden. Viele Gerichte sind für den westlichen Gaumen ungewohnt, wie z. B. Hühnerfüße, Quallen oder gewürfelte Schweinsohren.

Was tun, wenn ich bestimmte Speisen nicht mag?

Das Angebot auf dem Tisch wird meist so abwechslungsreich sein, dass Sie etwas nach Ihrem Geschmack finden. Ich habe schon unzählige Restaurants in China besucht, und bis heute ist es mir nicht vorgekommen, dass man Hunde, Katzen, Affen oder gar Ratten serviert hätte. Entsprechende Gerichte gibt es zwar, aber deren Konsum ist selbst für chinesische Verhältnisse eher selten und beschränkt sich auf bestimmte Gesellschaftsschichten oder Regionen.

Mutig probieren…

Vielen Chinesen ist bewusst, dass westliche Besucher bei einigen Speisen zögern. Trotzdem wird man Sie wohlwollend auffordern, alles zu probieren. Manchmal serviert Ihnen auch ein Tischnachbar einige Happen mit seinen Stäbchen. Das ist nett gemeint, auch wenn es aus westlicher Sicht etwas aufdringlich erscheint. Probieren Sie einfach! Was Sie überhaupt nicht mögen, können Sie auf Ihrem Teller liegenlassen. Wenn Sie mutig probieren, werden Sie in den meisten Fällen angenehm überrascht sein.

Tipps für Ihr Geschäftsessen  in China

  • Nehmen Sie möglichst nicht den zentralen Platz gegenüber der Tür ein. Dieser ist dem zahlenden Gastgeber vorbehalten.
  • Üblicherweise wird mit Stäbchen gegessen, aber Besteck ist fast immer auf Anfrage erhältlich. Man wird Verständnis aufbringen, falls Sie den Umgang mit Stäbchen nicht beherrschen.
  • Sie  können Ihren Gastgeber beeindrucken, indem Sie routiniert mit Stäbchen essen. Wenn Sie es schaffen, eine einzelne Erdnuss zwischen zwei Stäbchen zum Mund zu führen, sind Sie ein Könner!
  • Speisen, die Sie verzehren möchten, halten Sie mit den Stäbchen über der runden Porzellanschale oder legen Sie darin vorübergehend ab. Die Porzellanschale hat die Funktion unseres westlichen Tellers.
  • Der mittelgroße Teller vor Ihnen dient der Aufnahme von Speiseresten wie Knochen, Fischgräten, Fruchtschalen usw. Er hat eine andere Funktion als im Westen und wird vom Restaurantpersonal regelmäßig gegen einen neuen Teller ausgetauscht.
  • Falls Sie bestimmte Speisen überhaupt nicht probieren mögen, empfiehlt sich ein Hinweis auf Unverträglichkeiten oder Allergien. Vermeiden Sie zu schroffe Zurückweisungen oder den Ausdruck von Ekel.
  • Erfahrene Dolmetscher sind Ihnen behilflich, indem sie sich bei der Bestellung der Speisen diskret mit den Gastgebern abstimmen und eine Vorauswahl treffen, die Ihren Vorstellungen entspricht.
  • Gegen Ende des Essens werden zusätzliche Portionen Reis oder Nudeln serviert. Diese Extraportionen sind nur “Sattmacher” zum Abschluss und werden meist nicht vollständig verzehrt.
  • Wenn Sie nach ausgiebigem Essen gefragt werden, ob Sie noch mehr Reis oder Nudeln möchten, lehnen Sie höflich ab. Anderenfalls nimmt man an, Sie seien nicht satt geworden oder es habe Ihnen bisher nicht geschmeckt.
  • Der ranghöchste Gastgeber gibt ein Signal, dass das Essen beendet ist. Anschließend stehen alle Tischgäste auf und verlassen gemeinsam das Restaurant.
  • In den internationalen Hotels gibt es immer ein chinesisches und ein westliches Restaurant. Wenn Sie in China  unterwegs sind, sollten Sie damit rechnen, dass selbst in großen Hotels viele Restaurants schon ab 21 Uhr geschlossen sind. Nach dieser Zeit müssen Sie mit dem Zimmerservice vorlieb nehmen oder sich außerhalb des Hotels versorgen.
  1. Das kann ich nur bestätigen.

    Eine Tante von mir war mal in China zu einem Bankett eingeladen. Dort reichte man ihr mit Stäbchen ein Schildkrötenauge als feinste Delikatesse. Sie machte gute Miene. ließ sich so fotografieren, nahm das Stäbchen, legte es auf ihren Teller, bedankte sich nochmals nickend bei der Tischrunde und aß dann etwas anderes.

    Alle waren zufrieden, und sie wurde auch nicht weiter genötigt, zu probieren.

    Kommentar by Florine Calleen — 28. September 2012 @ 11:33

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